Francisco Franco – Resolving an Enigma

Francisco Franco – Resolving an Enigma: Ein Dokumentarfilm von Philip Selkirk

Francisco Paulino Hermenegildo Teódulo Franco y Bahamonde Salgado Pardo (4. Dezember 1892 – 20. November 1975), kurz: Francisco Franco war ein spanischer General und in der Zeit von 1939 bis zu seinem Tod war Franco Staatschef von Spanien. Er regierte das Land nach dem Sieg der Aufständischen im Spanischen Bürgerkrieg 1939 bis zu seinem Tod. Franco wurde in Spanien als El Caudillo (»Der Führer«) bezeichnet. Im Jahre 1946 führte er die Monarchie in Spanien ein, ohne allerdings einen König zu ernennen. Franco blieb Regent des Königreichs Spanien bis 1975.

In der historischen Rückschau wird Francisco Franco heutzutage meist nur eindimensional betrachtet: als faschistischer Herrscher, der sein Land und dessen Menschen fast vier Jahrzehnte lang autoritär, diktatorisch und brutal dominierte. Diese Betrachtungsweise trifft zu – und doch ist sie zu undifferenziert.

Ohne den autokratischen und unterdrückenden Charakter des Franco-Regimes und dessen Gräueltaten beschönigen oder gar in Abrede stellen zu wollen, möchte der Film zeigen, dass der »Generalissimo« eine vielschichtige und – trotz seiner Zurückgezogenheit und »Unsichtbarkeit« – vielgesichtige Persönlichkeit voller Widersprüche war.

Der Film maßt sich nicht an, alle Fragen der historischen Einordnung und der politischen Bewertung abschließend zu beantworten; erst recht nicht will und kann er das »Rätsel Franco« ein für alle Mal lösen. Sehr wohl aber wird er, auf der Basis intensiver Spurensuche und akribischer Recherche, bislang Unerforschtes präsentieren, erstmalig zahlreiche Aspekte in einem neuen Licht darstellen und den bekannten Tatsachen und Fakten neue, bislang unbekannte Informationen hinzufügen – als da beispielsweise wären:

  • die Sichtweise engster Familienangehöriger (Tochter, Enkel) und ehemaliger Wegbegleiter auf den Menschen, den Privatmann Francisco Franco
  • das Beleuchten der Rolle, die der »Geist des Franquismus« im heutigen Spanien noch einnimmt, und das Hinterfragen, ob die weitgehende Tabuisierung der Franco-Ära diesen Geist länger hat leben lassen als es nach einer gründlichen historischen Aufarbeitung vermutlich der Fall gewesen wäre

Diese und andere bislang »un-erhörte« Informationen werden es dem Zuschauer ermöglichen, sich sein eigenes – möglicherweise revidiertes – Urteil über Franco zu bilden.

Das Besondere an der Herangehensweise des Autors liegt nicht zuletzt in der Tatsache begründet, dass er – als in Deutschland lebender gebürtiger Brite – einen quasi neutralen und enttabuisierenden Außen-Blick auf die Franco-Ära und ihre Nachwirkungen im heutigen Spanien wirft. Kein spanischer Filmautor könnte – selbst heute, mehr als 35 Jahre nach Francos Tod – einen derartigen Film drehen: Zu groß ist das unerklärte Tabu, mit dem Politik und Gesellschaft im modernen Spanien diesen »ungeliebten« Teil ihrer Vergangenheit belegt haben… mit dem Ergebnis, dass die meisten der heute 46 Millionen Spanier viel zu wenig über ihre jüngste Geschichte wissen.

In spannender Weise wird der Film das Rätselhafte, das das »Enigma Franco« noch immer umrankt, dokumentieren.

Eine mehrdimensionale Sicht auf den »Caudillo von Gottes Gnaden« macht sich an folgenden, seine Gegensätzlichkeit dokumentierenden Stichworten fest:

  • Brutaler Diktator vs. unwissentlicher oder gar willentlicher Wegbereiter der Demokratie
  • Kollaborateur mit Nazi-Deutschland vs. Nichtbeteiligung am Holocaust, in den fast alle europäischen Länder verwickelt waren und zudem Nichteintritt in den 2. Weltkrieg – sehr zum Unmut von Hitler
  • Autokratisch-faschistischer Herrscher vs. keine bekannten wesentlichen Widerstandsbewegungen oder Attentatsversuche
  • Isolierung des Landes vs. Öffnung für ausländische Investoren
  • Spartanische, ja asketische Lebensweise bar jeglichen Personenkults vs. Verehrung als »glorreicher Führer«
  • Tiefe Religiosität (»Führer von Gottes Gnaden«) vs. Instrumentalisierung der Kirche zwecks Machterhalts
  • Nebulöser Glaube an übernatürliche Kräfte und Mächte vs. nüchterner Pragmatismus und Prinzipientreue
  • Introvertiertheit, Schüchternheit, schmächtige Statur und Piepsstimme vs. machtvoller »Caudillo« über fast vier Jahrzehnte hinweg
  • Kalt und unemotional vs. zu Tränenausbrüchen neigend
  • Moralistische Einstellungen (»Päpstlicher als der Papst«) vs. Tolerieren von Korruption
  • Einfacher »Mann des Volkes«, der mit Flamenco- und Stierkampfbesuchen Volkstümlichkeit demonstrierte vs. persönliche Abneigung gegen diese spanischen Traditionen